SEO Monitor 2012 – rosige Zeiten für SEOs?

Im SEO Monitor 2012 wurde dieses Jahr der Status Quo der SEO-Branche im Bewusstsein deutscher Unternehmen erhoben. Dabei sandte barketing.de im Zeitraum von Januar bis Februar 2012 einen umfangreichen Fragebogen an die zuständigen Abteilungen der 500 größten und onlinerelevantesten Unternehmen Deutschlands, um so direkt an der Basis nach aktuellen Entwicklungen und zukünftigen Tendenzen zu forschen.

Die Auswertungen ergaben die aktuelle Situation der SEO-Durchdringung in Deutschland, welche auf den ersten Blick durchaus vielversprechend aussieht.

SEO – Must-have im Marketing-Mix

Betrachtet man den Stellenwert von Suchmaschinenoptimierung innerhalb des Marketing Mixes der befragten Unternehmen, wird SEO eindeutig die höchste Relevanz beigemessen, dicht gefolgt von SEA, E-Mail Marketing und Affiliate Marketing. Eine positive erste Bilanz zeigt also, dass Suchmaschinenoptimierung innerhalb der großen Unternehmen durchaus einen gefestigten Stand hat und als wichtigste Online Marketing Maßnahme erkannt wurde. Es wird darüberhinaus mehrheitlich (58,9%) davon ausgegangen, dass die Bedeutung für SEO innerhalb der Unternehmen weiter ansteigen wird. Knapp ein Drittel prognostiziert eine gleichbleibende Gewichtung, während ein relativ geringer Anteil von 10,8% der Meinung ist, SEO könnte an Bedeutung verlieren.

Eine zukünftig steigende Investitionsbereitschaft ist dahingehend die einzig logische Folgerung der SEO-Situation innerhalb der befragten Unternehmen. 86,3% aller Unternehmen gaben an, zukünftig mindestens genauso viel oder noch mehr in nationale Suchmaschinenoptimierung zu investieren. Aber auch für internationale oder mobile Optimierungsmaßnahmen wollen viele der Unternehmen Investitionsbudgets aufstocken. Zwar ist vor allem Mobile SEO noch nicht sehr ausgeprägt, dieses könnte aber in Zukunft durchaus einen Aufschwung verzeichnen.

Welche SEO-Maßnahmen werden umgesetzt?

Nachdem die bisherige Studie belegt, wie wichtig SEO für das Marketing der Unternehmen ist, ist es ebenfalls interessant welche Maßnahmen durchgeführt werden. Es ergab sich ein ausgewogener Mix aus On-Site und Off-Site Strategien mit aufstrebendem Anteil bezüglich Universal und Local Search. Zu den üblichsten Off-Site Strategien gehört „organischer Linkaufbau“ (70%) gefolgt von „Linkkauf“ (30%) und „Linkbaits“ (24%). Angesichts der hohen Popularität des organischen Linkaufbaus stellt sich aber die Frage, wie die Unternehmen diese Maßnahme definieren. Möglicherweise gibt es hier Verständnisprobleme und eine Verwechslung mit der Gesamtheit der Bemühungen zum Ausbau der Backlinkstruktur.

Generell bildet sich eine hohe Gewichtung des Contents und der Backlinks innerhalb der SEO-Maßnahmen ab, was unterstreicht, dass die Unternehmen durchaus über Basiskompetenzen zum Verständnis von Suchmaschinenoptimierung verfügen.

Wie informieren sich Unternehmen über SEO

Unternehmen, die SEO durchführen, müssen sich angesichts der permanenten Änderungen im Google Algorithmus wie die Optimierer über die branchenspezifischen Trends informieren. Viele der befragten Unternehmen beziehen ihr Wissen dazu aus einschlägigen Zeitschriften, Magazinen und bekannten Blogs der Szene. Meistgenutzte Informationsquellen sind dabei die Online und Print Publikationen der „INTERNET WORLD Business“ und das Magazin „Website Boosting“. Die Zeitschrift und der gleichnamige Blog von „suchradar“ gehört ebenfalls zu den häufig herangezogenen Informationsmedien.

Darüberhinaus finden auch die großen Online Marketing und SEO-Konferenzen großen Zuspruch. Die dmexco ist für einen Anteil von 68,1% aller befragten Unternehmen die wichtigste Konferenz. Internet World (38,3%) und SEMSEO (25,5%) werden ebenfalls von einigen der Befragten als einschlägig erachtet und besucht.

Zusammengefasst ergibt sich durchaus ein reges Interesse an weiterführenden Informationen zum Themenbereich Suchmaschinenoptimierung, was sich für die weitere Stärkung der Bedeutung von SEO durchaus positiv auswirken kann. Das große Interesse an den Konferenzen ergibt sich möglicherweise aber auch aus den Aspekten, die die Wahl einer externen SEO-Agentur betreffen.

Inhouse vs. Agentur? Wohl kaum!

Bleibt also die Frage, wie die Unternehmen Suchmaschinenoptimierung durchführen. Es wurde festgestellt, dass zwar sowohl Inhouse, als auch in Kooperation mit externen Agenturen gearbeitet wird, jedoch 60% der Unternehmen eine Hybridlösung bevorzugen. Besonders interessant sind die Kriterien, nach welchen externe Agenturen ausgewählt werden: Die altbewährte Mund-zu-Mund-Propaganda ist für Unternehmer erstaunlicherweise weit vor anderen Aspekten der aussagekräftigste Faktor. Referenzen und Erfahrung sind ebenfalls Kriterien, die für Unternehmer bei der Wahl einer externen SEO-Agentur berücksichtigt werden. Ob eine Agentur diverse Zertifikate vorzuweisen hat, bekannt oder unbekannt ist, scheint in diesem Fall nicht von Bedeutung zu sein. Diese Tatsache dürfte vor allem kleinere und jüngere Agenturen freuen, die folglich über gute Kontakte und Empfehlungen ebenfalls zu Kooperationen mit großen Unternehmen gelangen können.

Aktuelle SEO Budgets und Investitionsbereitschaft im Widerspruch

Betrachtet man die folgende Tabelle fällt eine starke Diskrepanz zwischen der angegebenen Investitionsbereitschaft und den aktuellen monatlichen Budgets auf. 63,2% aller befragten Unternehmen bewegen sich momentan im unteren Drittel der monatlichen Ausgaben für SEO-Maßnahmen.

Vergleicht man die genannten Budgets mit den durchschnittlichen Tagessätzen, steht das kaum in Relation dazu, was fast im gleichen Atemzug von 80% angegeben wird: SEO sei rentabel bis sehr rentabel. Warum also nicht mehr in gewinnbringende Maßnahmen investieren?

Interessant sind diese Fakten auch im Bezug auf folgende Feststellung: Lediglich 14,6% der Unternehmen vergüten nach Tagessätzen, etwa 29,3% nach fixen Preisen. Augenscheinlich herrscht trotz der großen Hoffnungen in SEO-Maßnahmen und der eventuellen zukünftigen Investitionsbereitschaft eine Unsicherheit bezüglich der Erfolge, weshalb fast die Hälfte (48,8%) aller befragten Unternehmen auf eine erfolgsbasierte Vergütung der SEO-Agenturen setzt. Das Risiko lastet damit auf den Schultern der Agenturen.

Bezieht sich das Budget von 1.001 – 5.000 Euros der obigen Tabelle lediglich auf tatsächlich erfolgreiche Maßnahmen, bei denen keine Streuverluste oder andere vergebliche Versuche einbezogen werden, die innerhalb des Tagesgeschäfts allerdings durchaus einzukalkulieren sind, sind die Zahlen besser nachvollziehbar. Für eine Agentur sind solche Kalkulationen jedoch auf lange Sicht unrealistisch und unrentabel. Der Vergleich zur Inhouse Variante zeigt, dass internen Optimierern durchaus mehr Vertrauen entgegen gebracht wird. Lediglich 31,8% arbeiten dabei nach einem erfolgsbasierten Modell. Die Mehrheit, nämlich 63,6% arbeiten mit einer fixen Vergütung.

Repräsentative Studie – ja oder nein?

Die Ergebnisse der Studie entsprechen ohne großen „WOW“-Effekt ziemlich exakt den Erwartungen der Branche. Zweifelsohne bildet der „SEO-Monitor 2012“ detailliert ab, wie sich der aktuelle Stand der SEO-Branche bei den befragten Unternehmen gestaltet. Allerdings liegt genau hier der Knackpunkt. Es wurden 500 der größten und für Online Marketing relevantesten Unternehmen in Deutschland angeschrieben. Lediglich 74 davon haben letztendlich aktiv mit einem ausgefüllten Fragebogen teilgenommen, also nur 14,8%. Kann man eine repräsentative Studie basierend auf diesem geringen Anteil aufbauen?

Anders gefragt: Welche Werte gehen durch die 426 Unternehmen verloren, die die Auswertungen der Studie gegebenenfalls völlig verändern würden? Möglicherweise hat die Mehrheit der Unternehmer nicht geantwortet, weil SEO (noch) keine Bedeutung zugeschrieben wird und eine sinnvolle Beantwortung des Fragebogens deshalb nicht möglich war.

Am Ende des Tages bleibt also anzumerken, dass so schön die Studie für die SEO-Szene spricht und wir Suchmaschinenoptimierer uns zufrieden in unseren Stuhl zurücklehnen, ausgehend von der geringen Beteiligungsrate dennoch wohl Nachholbedarf herrscht. So gerne man auf diese Zahlen vertrauen möchte, so bedenklich ist eine 14,8% Beteiligung. Den restlichen 85,2% ist die Bedeutung professioneller Suchmaschinenoptimierung möglicherweise noch nicht klar.

Über Marcus Schoeberichts

Marcus ist Inhaber der Agentur schoebs & friends und bloggt hier im Journal über diverse Themen im Bereich Online Marketing. Marcus bei Google+
Dieser Beitrag wurde unter Internetmarketing, Suchmaschinenoptimierung abgelegt und mit , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>