PageRank, Plus und Panda – der große SEO-Jahresrückblick Teil II

Wie bereits angekündigt geht es in Runde II des SEO Jahresrückblicks 2011. Im Fokus nach wie vor Google, das in der zweiten Jahreshälfte alle Register zieht, um seinem Namen als größtes Internetunternehmen weltweit alle Ehre zu machen. Google lässt das Panda Update auch über Deutschland rollen, sicherte sich mit Motorola Mobility dann seinen Logenplatz in der Mobilfunksparte, öffnete das soziale Netzwerk Google Plus für alle, um zum Schluss mit den verstaubten Kamellen aufzuräumen.

Der Google Roundhouse Kick 2011

Wenngleich schon in der ersten Jahreshälfte damit begonnen wurde, uns mit dem +1-Button langsam an die soziale Google-Seite heranzuführen, protzte der „Google-Like-Button“ erst noch wenig mit Aktivität. Allerdings bereitete sich Google damit Schritt für Schritt auf seinen erneuten (und wohl auch letzten) Versuch vor, ein erfolgreiches Social Network auf die Beine zu stellen und platzierte den +1-Button klammheimlich überall im Web. Am 29. Juni 2011 startete Google Plus endlich und wagte das Duell mit Facebook. Zunächst eröffnete Google eine Beta-Version mit begrenzter Verfügbarkeit, die einen Vorgeschmack auf die Facebook-Konkurrenz geben sollte. Schon innerhalb der ersten Wochen wuchs der begrenzte Nutzerkreis (!) auf über 20 Millionen User und lies vermuten, dass Google nun den Aufsprung auf den Social Zug geschafft hatte.

Mit einem eleganten Design und ansprechendem Drag-and-Drop-Prinzip zog Google Plus seine Kreise im Social Web. Im Vergleich zu 600 Millionen Facebook-Usern sollten die Nutzerzahlen noch keine Unruhe auslösen, aber Social Search könnte Facebook den Schweiß auf die Stirn treiben. Ähnlich wie schon in der ersten Runde des Jahresrückblicks für die soziale Suche bei Bing, bezieht nun auch Google vermehrt Daten seiner Dienste (Google Plus mit Kommentaren und +1-Button, Youtube, Places und viele mehr) in die SERPs mit ein. Schon im Jahre 2010 begann Google auf die Daten von Twitter und Facebook zuzugreifen, um die SERPs zu personalisieren, allerdings nur beschränkt. Mittels der erhobenen Daten über das eigene Social Network erhält nun auch Google zukünftig noch mehr umfangreiche Informationen zu Nutzerverhalten und Vorlieben der Community. So werden künftig Seiten, die von Freunden oder besonders vielen Usern mit +1 bewertet, geteilt oder kommentiert wurden prominenter gelistet. Auf diese Weise gelangen möglicherweise Seiten zu Top-Rankings, zu denen sie ohne den Einfluss der sozialen Rankingfaktoren nie gekommen wären.

Werden für die SERPs in den Suchmaschinen zukünftig vermehrt soziale Faktoren ausschlaggebend sein, könnte schon bald jeder Nutzer eine individuelle Ergebnisliste erhalten. Vorausgesetzt, man ist in irgendeinem Dienst von Google oder Bing eingelogged. Das erschwert natürlich die Arbeit von SEO ungemein. Wer im Internet aber wahrgenommen werden will, ist letztendlich dazu gezwungen gebotene Kanäle zu nutzen und die Nutzer auf diese Weise via Twitter, Facebook und Google+ zu binden.

Google+ für alle

Am 20.September war es dann soweit: Google Plus öffnet seine Pforten für alle Nutzer, die einen eigenes Plus-Profil anlegen möchten und die Nutzerzahlen schnellten wie auch zum Start der Beta Version in die Höhe. Mittlerweile gehören rund 40 Millionen Nutzer der Google Community an. Facebook reagierte auf diese positive Annahme seines ersten ernstzunehmenden Konkurrenten (seit Jahren!) mit einer Vielzahl von Layoutänderungen.

Die „Smart List“ mit einer Übersicht der eigenen Gruppen, Freundeslisten und Favoriten, befindet sich linkerseits der einstigen Pinnwand, die ebenfalls eine neue, aber nicht immer schlüssigen Hierarchisierung der Meldungen aufweist. In der rechten Sidebar befindet sich ab sofort die Happening-Box, die wie eine Art Newsticker fungiert und sekündlich aktualisiert, was Freunde im Augenblick treiben. Außerdem befindet sich darunter die Anzeige einiger Freunde; Nach welchen Kriterien hier sortiert wird, bleibt ein Facebook-Geheimnis.

Ähnlich den Kreisen auf Google+ lassen sich nun auch die Facebook-Freunde in verschiedene Listen ordnen. Auf die von Marc Zuckerberg angekündigte Timeline müssen wir aktuell noch warten. Dennoch sind viele User bereits von den durchgesetzten Änderungen überrollt, genervt und überfordert und bekunden ihren Ärger. Facebook, das in den vergangenen Monaten bereits mit Performance-Schwierigkeiten immer wieder negative Kritik einstecken musste, hat sich wohl auch mit diesen massiven Neuerungen keinen Gefallen getan. Es machte eher den Anschein, Facebook stehe unter Zugzwang angesichts der Schlag auf Schlag folgenden Erfolge von Google. Zuckerberg und Co. haben offensichtlich festgestellt, dass selbst Facebook sich auf lange Sicht nicht auf gegenwärtigen Lorbeeren ausruhen darf.

Unternehmensseiten für Google+ freigegeben

Der 8.November zeigte erneut deutlich, wie es um den FB-Konkurrenten Google Plus und den Social Trend bestellt ist. Google eröffnete sein Netzwerk ab sofort auch für Unternehmen und Marken auf den Google Plus Pages – leider mehr gewollt, als gekonnt. Die Mehrzahl der Unternehmen legte lediglich ein weiteres Profil auf einer weiteren Plattform an, ohne dies innovativ zu nutzen. Sie wiederholen schlichtweg, was bereits über Twitter und die Facebook Pinnwand tickerte und das ist schlichtweg langweilig. Die Google Plus Pages inspirierten allerdings auch zu nichts sonderlich innovativem. Was als große Errungenschaft galt, nämlich die Hangouts mit den Unternehmen, erwies sich bislang als undurchdacht – mehr dazu hier.

Das Panda Update – Zuckerbrot und Peitsche

Beflügelt von der positiven Resonanz der Google+ Beta Version setzte Google seinen Rundumschlag fort und rollt am 12 August 2011 das Panda Update auch auf deutschsprachigen Index (http://googlewebmastercentral-de.blogspot.com/2011/08/neuer-algorithmus-fur-hochqualitative.html) aus. Der gefürchtete Panda Rollout betraf rund 6-9% der Anfragen und lag damit deutlich unter dem des vorangegangenen Updates auf englischen Seiten. Hier waren etwa 12% aller Suchanfragen betroffen. Trotzdem war überall von Panda-Verlierern und -Gewinnern die Rede. Unter anderem auch deshalb, da der Panda wählerisch und unberechenbar zuschlug, so dass es sich als äußerst kompliziert erwies tatsächliche Gründe für Strafen auszumachen.

Die Panda Speisekarte

Der Panda wurde/wird als äußerst anspruchsvolles Update gehandelt, so dass vorrangig die „qualitativ hochwertigen Websites“ seinen Geschmack trafen.
Ziel dieses Updates war es wie üblich, die SERPs qualitativ zu verbessern und so traf es viele Contentaggregationen, Artikelverzeichnisse und Personensuchmaschinen. Vordergründlich Seiten, die keinen Mehrwert für User versprachen und qualitativ niedrigen Content besaßen wurden vom Panda erfasst. Einige Seiten wurden bereits vor dem Update als mögliche Panda-Loser gehandelt. Nicht gänzlich unerwartet kam der Absturz in den SERPs, da diese Seitenmuster auch schon bei früheren Updates abgestraft wurden, beispielsweise MayDay 2010. Dennoch wusste das Update auch zu überraschen – wenn auch häufig negativ.

Folgendes gilt es aber festzuhalten: Viele der Gewinner des Updates wurden nicht direkt vom Panda begünstigt, sondern konnten lediglich durch das Abrutschen der Konkurrenz indirekt profitieren.
Wie sich die Verteilung der Gewinner und Verlieren gestaltete, wird in diesem Beitrag im Searchmetrics Blog sehr schön beschrieben.

Das Panda-Nachbeben

Kaum hatten sich Gemüter halbwegs beruhigt schlug der Panda erneut zu. Ohne öffentliche Ankündigung wurden die SERPs am 09.10.2011, 24.10.2011 und in der Nacht zum 14.11.2011 erneut durchgewürfelt. Dabei waren teilweise englischsprachige, teilweise deutschsprachige Seiten betroffen.

Man erhielt stark den Eindruck, dass Google mit dem Panda Update 2.5 im September nicht zufrieden war. Die Visibility-Daten der betroffenen Websites verrieten, dass sich viele Websites im Oktober zu nahezu 100% wieder erholt hatten und teilweise nach den Korrekturen sogar besser davonkamen. Nur wenige mussten auch beim Rollback Federn lassen. Searchmetrics hat auch hierzu eine anschauliche Tabelle erstellt.

Am 14.Oktober bestätigte Matt Cuts auf eine Anfrage via Twitter das vermeintlich kleinere Update:

Doch angesichts des großen Aufschreis in den Foren über die Auswirkungen auf die SERPs und die Visibility einiger Seiten, stellte sich heraus, dass es sich nicht wie auch von Google gedacht um ein minor update handelte. Seoroundtable bestätigte, dass etwa 80% der SEOs bei einer Umfrage der Meinung waren, das Update 3.1 sei nicht unbedeutend gewesen.

Ende November wurde noch einmal nachjustiert. Dieses Mal gab Google das Update über Twitter im Voraus bekannt. Nachdem sich das letzte minor update als ziemlich umfangreich herauskristallisiert hatte, blieb es diesmal bei einem geringen Effekt auf die SERPs.
Dennoch: selbst wenn nur 1% aller Suchanfragen betroffen würden, wäre das eine beachtliche Zahl und Google reagierte in seinem Webmasterblog mit einem Video und einem ausführlichen Artikel.

Mittendrin: Das Google Freshness Update

Während der Panda einfach nicht zum Winterschlaf übergehen will, kündigte Google zwischendurch noch ein weiteres Update an, dass sich bis zu fünf mal stärker auf die deutschsprachigen SERPs auswirken dürfte, als der Panda seit Anfang des Jahres: das Freshness Update:

“Building upon the momentum from Caffeine, today we’re making a significant improvement to our ranking algorithm that impacts roughly 35 percent of searches and better determines when to give you more up-to-date relevant results for these varying degrees of freshness.”

Amit Singhal, Google Fellow


35% aller Suchanfragen, also jede dritte Suche würden vom Freshness Update betroffen. Anmerken muss man allerdings, dass bei den Suchanfragen abgewogen wird, ob eine Selektion nach „Freshness“ angebracht erscheint.

Ziel dieses Updates ist, aufbauend auf Caffeine, besonders aktuelle junge Seiten in den Ergebnissen prominent zu listen, soweit die Anfrage dies erfordert. Seiten sollen schneller indexiert werden, um so brandaktuelle und „frischeste“ Neuigkeiten anzuzeigen.

Das Augenmerk liegt auf folgenden drei Punkten:

  • Aktuelle Themen und Ereignisse, die von großem öffentlichen Interesse sind
  • Regelmäßige wiederkehrende Ereignisse, wie die WM
  • Aktuell Neues, wie Trends, Charts oder Sonderangebote

Hier scheint es sinnvoll und angebracht dem User möglichst aktuelle Seiten prominent zu listen, um immer auf dem neuesten Stand zu sein.

Google bastelte übrigens bereits vergangenes Jahr 516 Mal an seinem Algorithmus, während über 13.000 Änderungen testweise angedacht wurden. Alle relevanten Updates 2011, inklusive der der letzten Jahre gibt es hier in einer tollen Übersicht von SEOmoz noch einmal auf einen Blick.

Damit wären wir auch schon am Ende des Jahresrückblicks angekommen :-) Wie habt Ihr das SEO Jahr 2011 empfunden?
(Gerne beteilige ich mich diesem Artikel beim heutigen Webmaster Friday)

Über Marcus Schoeberichts

Marcus ist Inhaber der Agentur schoebs & friends und bloggt hier im Journal über diverse Themen im Bereich Online Marketing. Marcus bei Google+
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3 Antworten auf PageRank, Plus und Panda – der große SEO-Jahresrückblick Teil II

  1. Pingback: SEO-Jahresrückblick Teil I |  schoebs & friends

  2. Der Stefan sagt:

    2011 war einfach ein ereignisreiches Jahr für SEO. Dazu kam noch so einiges zu SEA, was hier natürlich nicht Thema ist, aber den ein oder anderen auch auf Trab gehalten haben könnte. Danke für die Zusammenfassung, Marcus.

  3. Pingback: Der SEO-Blog-Wochenrückblick KW 52 | SEO-Trainee.de | SEO Trainee - Ab hier geht´s nach oben

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