Google+ – Google wirft den Fehdehandschuh ins Social Web

Facebook Prinzip mit Google Eleganz – so könnte das neue Projekt des Suchmaschinenprimus beschrieben werden. Mit Google+ möchte Google nun endlich mit einem eigenen Netzwerk auf den Social-Network-Zug aufspringen, der schon ziemlich abgefahren schien.

Vordergründig Facebook verteidigt eine mächtige Monopolstellung unter den Social Networks und genießt dabei die Aufmerksamkeit von über 600 Millionen Nutzern weltweit. Das neue Google+ Project soll nun der Hoffnungsträger des Suchmaschinenriesen sein, um auch im Bereich der sozialen Netzwerke aufschließen zu können, da hier derzeit noch eine enorme Lücke im Google Sortiment klafft.

In der Nacht zum Mittwoch ging Google nun (endlich) mit einer Testversion des Google+ Projects online, die bislang lediglich einem begrenzten Kreis eingeladener Nutzer zugänglich gemacht wurde. Wer schon im Vorfeld an diesem Projekt teilhaben möchte kann sich über folgendes Formular um eine Einladung bewerben. Alle anderen können sich bis zum offiziellen Start des Google+ Projects über ein Demo und einem Video einen kurzen Überblick der Features verschaffen, die das Google Netzwerk bieten wird.

Auf den ersten Blick sehr ansprechend im gewohnten Google Stil präsentiert sich die Plattform mit klaren Linien und bunter Farbpalette. Subjektiv wirkt diese Oberfläche aufgeräumter und seriöser als die von Facebook. 1:0 für das Google-Design, eine Stärke, die Google hier klar ausgespielt hat. Der zweite Blick fällt auf die Funktionen, die den Nutzern geboten werden sollen. Folgende fünf Kernfeatures bilden das Netzwerk:

Google+ Circles

Freunde und Bekannte werden nach Lust und  Laune in verschiedene Circles – Freundeskreise – unterteilt und geordnet, an welche man gezielt Informationen adressieren kann. Das Gegenstück zu den Gruppen bei Facebook? Je höher die Mitglieder- und Freundesanzahl eines Nutzers, desto höher gestaltet sich dabei allerdings der organisatorische Aufwand, der durch das Ordnen der Gruppen auf die Nutzer zukommt. Ob Google hier gegen Facebook punkten kann, bleibt abzuwarten, denn vielen ist Facebooks Durchsichtigkeit für alle Freunde zwar bereits ein gewichtiger Minuspunkt, ob mehr Aufwand dagegen akzeptiert wird, ist unklar.

Google+ Hangouts

Sollte die Umsetzung dieser Funktion einwandfrei gelingen, geht dieses Feature als echter Konkurrent von Skype an den Start: es ermöglicht einen webbasierten Videochat, in dem bis zu 10 Nutzer der Circles gleichzeitig kommunizieren können. Das ist im Vergleich zu Facebook neu, generell aber nichts grundlegend innovatives – schade.

Google+ Sparks

Wie auch bei Facebook ist es möglich seine Interessen und Hobbies anzugeben. Hierzu können dementsprechend Sparks getagged werden. Des Weiteren setzen Nutzer über diese Funktion Statusmeldungen ab und können Meldungen anderer Nutzer oder Websites über Google+1, das Google-Pendant des „Gefällt mir“-Buttons, bewerten.

Google+ Huddle

Das textbasierte Gegenstück zum Videochat Hangouts ist der Gruppen-SMS-Dienst Huddle. Hier können alle Mitglieder eines Circles per Chatfunktion kontaktiert werden – bei Facebook funktioniert das übrigens ähnlich für die Mitglieder einer konkreten Gruppe. Wie dies für unterschiedliche Circle-Mitglieder zwischen verschiedenen Nutzern funktionieren soll, erklärt Google in seinem Demo allerdings noch nicht.

Google+ Sofort Upload

Schon während man das Foto schießt, wird es hochgeladen – blitzschnell und unbearbeitet. Ist das praktisch? Diese Funktion klingt leider nicht so funktional, wie sich das Google gerne vorstellt. Die Idee, Fotos von mobilen Geräten direkt ins Netz zu laden ist eben wirklich nicht mehr neu. Die Innovation diese nun in absoluter Echtzeit hochzuladen und den Schritt des Selektierens auszulassen erscheint darüber hinaus auch nicht ganz durchdacht. Viele ziehen den Aufwand Bilder vor dem Veröffentlichen auszusortieren, der Gefahr von unpassenden Bildern im Netz vor.

Fazit: Suchmaschinenriese gegen Social-Media-Gigant – David gegen Goliath?

Ein Blick auf das Google+ Project macht zwar deutlich, dass Google nun endlich am Facebook-Thron rütteln und dem Netzwerk Nutzer streitig machen möchte. Dennoch bleibt abzuwarten, inwiefern sich Facebook-User abwerben lassen, da soweit an der Google Umsetzung generell nichts bahnbrechend Neues erkennbar ist. Es fehlt an dem gewissen Etwas, dass das Google Netzwerk von bereits Existierenden abhebt und unabdingbar macht. Möchte Google an die Facebook-Krone, muss da noch mehr kommen als verbesserte Funktionalität mittels Drag-and-Drop-Prinzip, mehr Privatsphäre durch Circles und einem schönen Design.

Google+ ist im Vergleich zu seinem Vorgängerversuch Buzz im Gesamteindruck durchdachter. Technik und Funktionalität sind aber im Kampf gegen Facebook leider noch nicht einmal die halbe Miete. Die Akzeptanz der Nutzer ist ausschlaggebend und die hat Facebook bislang unangefochten – und im wahrsten Sinne – auf seiner Seite. Bis zum offiziellen Start des Netzwerks bleiben uns aber lediglich die demobasierten Spekulationen und Prognosen für die Zukunft des Suchmaschinenriesen auf dem Gebiet der sozialen Netzwerke. Vielleicht erleben wir noch eine Überraschung mit einem unerwartet revolutionären Feature, das Facebook die Monopolstellung streitig macht. Klar ist aber, dass dies die letzte Chance für Google sein wird, sich einen Platz zu sichern, bevor es den sozialen Anschluss endgültig verpasst hat.

Über Marcus Schoeberichts

Marcus ist Inhaber der Agentur schoebs & friends und bloggt hier im Journal über diverse Themen im Bereich Online Marketing. Marcus bei Google+
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Eine Antwort auf Google+ – Google wirft den Fehdehandschuh ins Social Web

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