Google+ Rankingfaktor – das Maß aller Dinge oder Humbug?

Um es vorweg zu nehmen, Google dementiert jeglichen Zusammenhang von Social Signals
- egal ob von Google+ oder Facebook, Twitter und Co.

Entgegengesetzt allen schwammigen Aussagen, die wir von Google über die tatsächlichen Rankingfaktoren gewohnt sind, findet Matt Cutts ziemlich deutliche Worte. Er bezieht sich damit auf einen im MOZ Blog erschienen Artikel, der eindeutig zu belegen scheint, dass die Social Plattform Google+ durchaus SEO-Qualitäten besitzt. In den Kommentaren und auf diversen anderen Seiten entbrannten daraufhin interessante Diskussionen darüber, ob und was Matt Cutts und Cyrus Shepard gemeint haben könnten und wer welche Erfahrungen mit Social Signals gemacht hat. Für Interessierte hier gibt es den Thread auf Hacker News nachzulesen, es lohnt sich

Was sind Social Signals von Google+ nun wert?

In seinem Artikel „Amazing Correlation Between Google +1s and Higher Search Rankings“ möchte Cyrus Shepard vielleicht gar nicht so sehr zum Run auf Google+ aufrufen, allerdings bringt er durchaus auf den ersten Blick interessante Argumente und tatsächlich kann man einige Fakten nicht abstreiten, wo Google+ Vorteile gegenüber anderen Plattformen aufweist.

  1. Posts werden fast in Echtzeit gecrawled und indexiert

    Nachdem Informationen via Twitter seit 2011 nicht mehr von Google genutzt werden können und die Privatsphäreeinstellungen von Facebook die Indexierung und Erfassung der Inhalte erschwert, war klar, dass Google eine neue Quelle für News und Trending Topics braucht. Google+ schließt diese Lücke ziemlich gut. Aber was aus SEO Sicht viel interessanter ist, die veröffentlichten Posts erscheinen fast in Echtzeit im Index.

  2. Links von Google+ Posts geben Link Power weiter

    Interessant. Über Google+ können, gewusst wie, Links mit beliebigem Linktext generiert werden, die NICHT no-follow sind. Dazu gehören unter anderem diejenigen Links im Bereich „About“, aber auch Posts mit Links, wobei der Anchor Text gleichzeitig der Titel dieser Links ist. Über Bilder funktioniert dies allerdings nicht.

  3. Google+ attraktiv als Blogerweiterung?

    Jeder Google+ Post weist analog zu Blogbeiträgen einige Äquivalente auf: Die eigene URL, ein Title Tag, der Umfang der Posts ist unbeschränkt und erlaubt längere Abhandlungen und wird der Post geshared, wird er mit passendem Anchor Text vervielfältigt – innerhalb der Google+ Plattform.

Dennoch lehnt sich Cyrus Shepard sehr weit aus dem Fenster:

Ein Diagramm scheint Google+ als starken Einflussfaktor zu bestätigen:

Quelle: http://moz.com/blog/google-plus-correlations

 

Die Domain Popularity ist laut Shepard hinter „+1s“ von Google+ gerutscht. Was ist da passiert? Es ist nicht nachvollziehbar, warum ein Link von einer starken, themenrelevanten Seite weniger Einfluss auf die Rankings haben sollte, als eine Menge an „+1s“. Diese These wurde vor einiger Zeit schon für Facebook Likes aufgestellt und hat sich nicht bewahrheitet. Nun soll Google+ auf dem Vormarsch sein? Diese Erfahrungen kann ich nicht teilen. Gute Links sind immer noch das Salz in der Suppe und die Wirkung besonders am Anfang aller SEO-Maßnahmen, aber auch kontinuierlich bei allen Seiten spürbar. Andererseits beschränken sich auch die Erfahrungen mit exzessiven Google+ Strategien, die Vergleichswerte fehlen hier ein Stück weit.

Noch ein Punkt zu den Links: Erst am 9. Juli 2013 wurde ein Artikel im Moz-Blog veröffentlicht, in dem Matt Peters auf die Bedeutung und Power von Links auf Basis einer Studie verweist:

Quelle: http://moz.com/blog/ranking-factors-2013

 

Die Stärke der Seite, die Links und der Content machen aus Sicht der Befragten über die Hälfte einer guten Seite aus. Gefolgt von Markenbekanntheit, Traffic und nur als drittletzten Aspekt Social Media Aktivitäten. Dem schließe ich mich so im Großen und Ganzen an. Als Fazit gibt aber auch Peters an, dass die Bedeutung von Social Signals vor allem von Google+ weiter ansteigen wird, aber gleichzeitig prognostiziert er auch keine Einbußen von klassischen SEO-Hebeln, wie Content und OnPage-Daten – im Gegenteil. Im Verhältnis wirkt das schon besser nachvollziehbar.

Mit solchen Behauptungen und Daten, wie sie Shepard im Moz-Blog veröffentlicht, wäre ich immer vorsichtig. Möglicherweise doch eine falsche Verknüpfung von Ursache und Wirkung oder glücklicher zufall. Vor allem die Skala im Diagramm zeigt schon, dass der Einfluss sich noch bei 0,30, also irgendetwas sehr kleinem, rumdrückt. Sicherlich birgt Google+ ein großes Potential – aber eben vorrangig für Google. Ob sich die Suchmaschine nun Mühe gibt den SEOs die eigene Plattform schmackhaft zu machen, um ihr damit noch mehr Leben und Bedeutung einzuhauchen, ist gerade noch zweifelhaft. Semantic Search lebt allerdings davon neue Trends reingespült zu bekommen über Soziale Netzwerke. Da Facebook und Twitter in dieser Hinsicht raus sind, muss Google dafür sorgen, dass sie ihren Zugang zu News sichern – dies sollte ja wohl eigentlich kein Problem sein.

Dass Google+ und Plus-Einsen das neue Allheilmittel für SEO ist bezweifle ich weiterhin ganz stark und auch in naher Zukunft. Ein Profil zu Pflegen, besonders mit Blick auf Google-Places für Local SEO, Rich Snippets, mit denen man wirklich gute Erfahrunge machen kann, Author Tag und Image Pflege, möchte ich gar nicht abstreiten. Aber für die Optimierung verlasse ich mich lieber weiter auf bewährte SEO-Hebel und ein bisschen gesundes Bauchgefühl, das kann auch nicht schaden. Wer mich vom Gegenteil überzeugen möchte, für stichhaltige Beweise bin ich jeder Zeit offen. :-)

Über Marcus Schoeberichts

Marcus ist Inhaber der Agentur schoebs & friends und bloggt hier im Journal über diverse Themen im Bereich Online Marketing. Marcus bei Google+
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Eine Antwort auf Google+ Rankingfaktor – das Maß aller Dinge oder Humbug?

  1. Hi Marcus,

    Deine Skepsis ist durchaus angebracht. Dass Google +1 (selbst in rauhen Mengen) mehr Einfluß auf das allgemeine Ranking einer Website haben soll als ein Authority-Link, bezweifel ich sehr.
    In all unseren Erhebungen ist dies nicht zutreffend. Bei der Erstellung von Benchmarks für verschiedene Branchen haben wir lediglich erkannt, dass wenn in der breiten Maße ein sehr schmales, überschaubares Linkprofil der Tenor des Benchmarks ist, der Einfluß von Social Signals allgemein größere Wirkungen zeigt. Wenn wir hier jedoch mit sauberen Content-Marketing Methoden antreten und so das Linkprofil eines Kunden aus dem Benchmark heben, zeigt sich recht schnell, wie flach die Wirkung eigentlich war.

    Nur weil unsere US-Kollegen lustige Umfragen machen, heißt das noch nicht, dass die Ergebnisse zutreffend sind :-)

    All the best,
    Chris

    PS: Wirklich lesenswert .. .wird gleich mal geshared ;-)

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