Google’s next generation of search – Die Grundsanierung der Google Suche

Eine Komplettsanierung der bekannten und altbewährten Google Suche soll nach Informationen des Wall Street Journales anstehen. Defizite der bisherigen Technologien werden ausgemerzt und die Suchanfragen der Nutzer besser bedient. Nebenbei wird die Marktposition gefestigt und der Wettbewerbsdruck erhöht.
Googles Anspruch ist es zukünftig nicht mehr nur mit Links darauf zu antworten, wonach die Nutzer wörtlich suchen, sondern zu wissen, was sie mit Begriffen tatsächlich meinen. Google will voraussehen, was wir eigentlich wirklich wollen und ist fest entschlossen uns diese Informationen ohne Umwege vor allen anderen zu präsentieren.

Semantic Search rollt an

Zwei Worte fassen zusammen, was die oben beschriebene Situation auf den Punkt bringt: „semantic search“. Dieses Feature soll die Google Suche in den kommenden Monaten präziser an die Bedürfnisse der Nutzer anpassen und verstehen, was gemeint ist, nicht nur was geschrieben wird. Nun wird der klassische Google Algorithmus nicht völlig umgekrempelt, dennoch aber überarbeitet werden, um feiner selektieren zu können. Für einschlägige Suchanfragen, wie „Kino München“ erhält der Nutzer dann nicht mehr nur die altbekannten Top-Ten Treffer der ersten SERPs-Seite, sondern über die Universal Search Erweiterungen hinaus die aktuell laufenden Filme in Münchner Kinos, mit Altersfreigabe, Genre des Films und, und, und. Eben alles, was der Nutzer wissen muss, wenn er einen Kinobesuch plant – was die Suchmaschine aus dieser Suchanfrage schließt.

SERP Kino München

SERP Kino München

Was darüberhinaus passiert, liegt auf der Hand. Würden die Google SERPs wie bisher üblich lediglich weiterführende Links anzeigen, ist der Nutzer beim Klick auf den Verweis augenblicklich von der Google Ergebnisseite verschwunden. Die Verweildauer bei Google ist deshalb beispielsweise zum Vergleich zum Konkurrenten Facebook um einiges niedriger, da die Plattform die Möglichkeit bietet, interessante Inhalte direkt vor Ort zu beziehen. Das fehlte Google bislang.

Wie Google den Wettbewerb verschärft

Wie schon angesprochen werden die Suchergebnisse weiterhin den bekannten Rankingkriterien, sprich Content, Backlinks und vielen weiteren unterliegen. Wie das Wall Street Journal berichtet, werden die grundlegenden Veränderungen Jahre dauern. Dennoch will Google in naher Zukunft eigene Inhalte prominent präsentieren, um die Nutzer längere Zeit auf der eigenen Seite zu binden. Die Argumentation läuft darauf hinaus, dass Nutzer, die beispielsweise nach „Kinoprogramm“ suchen, nicht an einer Wikipedia Seite zur etymologischen Herkunft des Begriffs interessiert sind, sondern an aktuellen Kinofilmen. Deshalb werden die SERPs in Zukunft vermehrt so aussehen, dass Google basierend auf Millionen gesammelter Daten selbst Antworten auf diese Suchanfrage gibt, anstatt die Nutzer durch weiterführende Links den anderen Seiten zuzuspielen.

SERP Kinoprogramm

Google schlägt damit auf gewohnt elegante Weise zwei Fliegen mit einer Klappe. Nach außen kann man den Nutzern verkaufen, dass die Ergebnisseiten zu deren Vorteil präziser und relevanter gestaltet werden – ganz gemäß dem braven und nutzerfreundlichen Image des Suchmaschinenriesen. Durch das Einbinden der gesuchten Informationen oberhalb der eigentlichen Trefferseiten sparen sich die Nutzer Klicks und Zeit, um nach einer passenden Website zu suchen. In der Praxis seien Nutzer oft nur an einer knappen Übersicht der Kerninformationen interessiert, klicken kurz auf eine Seite und verlassen diese sehr schnell, nachdem der Text überflogen wurde. Diese Informationen will Google nun auf den ersten Blick geben. Ist der Nutzer an weiteren Informationen interessiert erhält er diese auf den Seiten in den altbewährten SERPs.
Auf den zweiten Blick werden die Absichten des Unternehmens klar: Sie wollen die Nutzer nicht mehr weiterleiten, sondern für sich nutzen. Eine klare Kampfansage. Google entwickelt sich vom Partner zum direkten und stärksten Konkurrenten der ersten Rankingplatzierungen. Erhält der Nutzer über Google bereits alle nötigen Informationen, bleibt der Traffic für die SERPs aus. Die Datenressourcen des Internetriesen werden so für eigene Zwecke – aber nicht ohne Eigennutz – eingesetzt und erhöht damit den Druck auf andere Websites enorm. Vor allem informative Seiten wie Wikipedia, dürften sich ab sofort im Nachteil fühlen, wenn ihnen die Nutzer vor der Nase abgegriffen werden. Durch die neuen Anzeigemöglichkeiten bieten sich nun darüberhinaus Unmengen Chancen Ads zu platzieren, die sich logischerweise wieder zu Gunsten von Google monetarisieren lassen.

Die neue Ära der Google Suche

Zehn bis zwanzig Prozent aller Suchanfragen werden von den Umstellungen der Google Suche betroffen sein, das sind mehrere Milliarden Suchanfragen im Monat. Auf den Artikel des Wall Street Journals folgten eine ganze Reihe kritischer Kommentare, die den Eigennutz des Unternehmens anprangerten, was völlig dem Motto „don’t be evil“ widerspräche und die Google Suche dadurch nicht an Qualität gewinnen könne.
Sicher ist, dass mit diesen Veränderungen ein neues Kapitel in der Suchmaschinengeschichte anbricht, dass es zu beobachten gilt. Allerdings konnten wir auch schon bei vergangenen Veränderungen sehen, dass der Aufschrei am Anfang immer am lautesten ist. Man erinnere sich an Google Places, Google Street View oder aktuell beim Konkurrenten Facebook bezüglich der Timeline. Letztendlich bleibt abzuwarten, wie sich die Veränderungen tatsächlich auswirken.

Über Marcus Schoeberichts

Marcus ist Inhaber der Agentur schoebs & friends und bloggt hier im Journal über diverse Themen im Bereich Online Marketing. Marcus bei Google+
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3 Antworten auf Google’s next generation of search – Die Grundsanierung der Google Suche

  1. Der Aufschrei sollte größer ausfallen, denn nicht nur Wikipedia wird von dieser Veränderung betroffen sein. Sämtliche Inhalte, welche Google seit langer Zeit zunehmend bevorzugt, könnten so übernommen werden. Hier wird zwar noch die urheberrechtliche Nutzung zu klären bleiben. Dennoch dürften so auch Seiten mit relevantem Inhalt betroffen sein. Warum sollten ein User nach den Instandinfos in den SERPs von Googles Search Engine noch auf die Ursprungsseite wechseln? Warum sollte dann ein Seitenbetreiber seine Inhalte noch zur Verfügung stellen? Auch wenn die Beweggründe, Chancen sowie Probleme sind klar und habe ich Semantic Search or Web 3.0 kurz dargelegt. Es wird noch spannend.

  2. stefan sagt:

    schöner round up. ich denke, die richtung ist logisch, jedoch wird google nicht unbedarft vorgehen, sondern im sinne der nachhaltigkeit und win-win-situation vorgehen. und von wegen wikipedia: es wird ja hoffentlich nur ein exzerpt zu lesen sein für die schnelle info. wer tiefer ins gesuchte thema eintauchen will, wird nach wie vor die suchtreffer bemühen.
    aber wie immer im seo: wer rastet, der rostet :)

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