Starbucks vs. Passauer Kaffeekultur

Seit zwei Tagen liefern sich die Passauer Facebook-User einen absurden Kampf um eine Starbucks Filiale in der Dreiflüssestadt. Ausgelöst durch einen 22-Jährigen Jurastudenten, der mal eben eine „Wir wollen einen Starbucks in Passau“-Gruppe gründete und damit ein skurriles Duell eröffnete. Binnen weniger Stunden erhielt seine Gruppe Unterstützung von Hunderten Personen, die seine Ansicht teilen. Prompt – wie soll es anders sein – wurde eine „Wir wollen KEINEN Starbucks in Passau“-Gruppe ins Leben gerufen, welche den Befürwortern nun mit harten Argumenten gegenübersteht.

Die Social Media Plattform scheint als Austragungsort verschiedenster Meinungsverschiedenheiten wirklich in Mode gekommen zu sein. Ob national oder regional, Diskussionen aller Art etablieren sich nun über eine Art kalten Krieg über Facebook-Gruppen. Die Gründung einer einzigen Gruppe in deren Namen man ein eindeutiges Statement abgibt reicht aus, um User zu einem Gegenangriff anzuregen.
Der Gründer der Pro-Starbucks-Gruppe beweist zudem noch Geschick das Feuer weiter anzufachen und verspricht:

Dass sich das Milliarden schwere Unternehmen von 1000 Likes nicht beeindrucken lässt, machte der Geschäftsführer von Starbucks Deutschland in einem vermeintlichen Telefonat deutlich: Es sollen erstmal 5000 Befürworter für diese Aktion gefunden werden und dann könne man einen konkreten Entwurf vorschlagen, welcher dann beraten würde. Um ein Unternehmen wie Starbucks, das bislang Standorte nach ihrer Frequentierung ausgewählt hat – darunter Flughäfen, Hauptbahnhöfe, Fußgängerzonen in Millionenstädten wie Berlin, Köln, München etc. – davon zu überzeugen nach Passau einzuziehen, bedarf es wohl mehr, als eine Facebook-Gruppe.

Der „Wir wollen – Wir wollen nicht!“-Trend der sich seit einiger Zeit auf Facebook in immer neu aufkeimenden Diskussionen über Themen, die die Welt nicht braucht etabliert, scheint anzuhalten. Nun werden auch regionale Themen in kleineren Rahmen (wir erinnern uns an die große zu Guttenberg-Farce) über die Plattform diskutiert. Diesmal vorne dabei sind die Passauer Studenten, die für eine Starbucks-Filiale in Uninähe plädieren, um so in den kurzen Pausen zwischen den Veranstaltungen einen Koffeinnachschub holen zu können. Sieht die Wahrheit doch eigentlich aber nicht anders aus:
Tall, grand oder Venti? Vollmilch, Magermilch, Sojamilch oder laktosefreie Milch? Zum hier Trinken oder Mitnehmen? Einige Minuten des kostbaren Studentenlebens gehen alleine durch das Starbucks-Interview beim Bestellen eines stinknormalen Cappuccinos zum Mitnehmen drauf.

Munter posten die Anhänger der Gruppe Vorschläge für den möglichen Standort der Filiale und Vorschläge für die Erweiterung der Starbucksproduktpalette. Die Gegenseite rüstet sich indessen mit einschlägigen Gegenargumenten, Passau verfüge doch bereits über einen gesättigtes Café-Angebot.
In der Tat hat insbesondere die Passauer Innenstadt, aber auch das PADU oder das Innsteg in der Nähe der Uni guten Kaffee zu erschwinglichen Preisen zu bieten, von den Cafeten und den Kaffeeautomaten ( welche natürlich nicht in der gleichen Qualitätsliga spielen) am Unigelände selbst, ganz zu schweigen. Vor allem der Aspekt „to Go“ wurde breit diskutiert und festigte sich als eines der Hauptargumente der Starbucks-Gruppe, dabei bietet jedes Café in Passau auch Getränke zum Mitnehmen an. Den Passauern und allen auswärtigen Kaffeeliebhabern legen wir übrigens gerne auch das brandneue Startup aus der Dreiflüssestadt Green Cup Movement ans Herz.

Es stellt sich die Frage, wozu diese redundante Diskussion also dienlich sein könnte. Virales Marketing von Starbucks über eine vermeintliche Facebook-Diskussion, die momentan in Mode gekommen zu sein schein, um Aufmerksamkeit zu generieren? Guerilla Marketing, das den Focus unauffällig und äußert effektiv mit dem nötigsten an Aufwand auf das Unternehmen lenkt? Verdächtig schnell wuchs die Anhängerzahl dieser Gruppe binnen weniger Stunden (während die Gegner mit nur knapp mehr als 400 Anhängern weit zurückliegen) und auch das Telefonat mit dem Starbucks Geschäftsführer Deutschlands, scheint doch etwas übertrieben für das Anliegen einer banalen Facebook-Gruppe. Hier scheint auch der Begriff Virusmarketing passend, zeigten jüngste Facebook-Diskussionen doch wie anfällig die Community gegenüber solch kleinen Provokationen ist und auch der aktuelle Fall belegt, welchen Effekt allein die Gründung einer solch profanen Facebook-Gruppe auf die Usergemüter haben kann.

Über Marcus Schoeberichts

Marcus ist Inhaber der Agentur schoebs & friends und bloggt hier im Journal über diverse Themen im Bereich Online Marketing. Marcus bei Google+
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