Google+ (Fan-)Seiten – connect with all the things you (don’t) care about

Bislang war Google+ exklusiv für Privatpersonen verfügbar, jetzt öffnet Googles soziales Netzwerk seine Pforten auch for Business. Obwohl diese Erweiterung der Sozialen Plattform aus Mountainview gespannt erwartet wurde, neu scheint auf den ersten Blick nichts. Wie bereits von Facebook her bekannt können Unternehmen und Marken jeglicher Art und Größe nun ein Google+ Profil erstellen und über dieses Informationen und Neuigkeiten mit der Community teilen. Ebenfalls wie gehabt, können veröffentlichte Inhalte aufgenommen, Neuigkeiten verfolgt und via +1 empfohlen werden.

Zwischenfazit: Unternehmensprofile auf einer weiteren sozialen Plattform. Punkt.
Google präsentiert sich dabei sowohl bei den Features, als auch bei der Namensgebung „Seiten“ oder „Pages“ wenig innovativ.

Dennoch sind zwei Aspekte nicht gänzlich abgekupfert und einer davon könnte Google+ gegenüber Facebook und Twitter doch noch einen entscheidenden Vorteil verschaffen: Hangouts und Direct Connect.

Hangout – face-to-face-to-face-to-face-to-face…

Wer schon immer wissen wollte, was der benachbarte Bäcker gerade so macht, der kann das live via Hangout mit anderen mitverfolgen. Fügt man Unternehmensseiten zu einem Circle hinzu, erhält man nicht nur neue Veröffentlichungen, sondern auch die Möglichkeit sich über ein Hangout mit dem Unternehmen per Videochat „face-to-face“ auszutauschen. Das gab es bei Facebook oder Twitter bisher nicht. Wir erinnern uns aber an die schöne Einleitung der Googleblogs „connect with all the things you care about“.
Es drängt sich also die Frage auf, ob dieses Feature überhaupt interessiert und Sinn macht. Denn entweder das Unternehmen ist nicht groß oder bekannt genug, um einen interessanten Hangout zu eröffnen, dann endet dieses Vorhaben in einer langweiligen Big-Brother-Onlineüberwachung eines einsamen Einzelhändlers. Oder es gibt einfach zu viele Follower, um eine vernünftige Kommunikation zustande kommen zu lassen.

Muppets hangout

Muppets hangout

Folgendes Beispiel verdeutlicht Problemfall 2:
The Muppets veranstalteten bereits den ersten Hanghout mit Ms. Piggy und Friends. Allerdings sprengten die knapp 23.000 ;-) Follower den Rahmen des privaten Videochats, so dass sich nun viele auf dem Unternehmensprofil darüber beklagten, nicht hineingelassen worden zu sein.

Wie ein Videochat mit einer 5-stelligen Teilnehmerzahl überhaupt ablaufen kann, sei dahingestellt. Aber alleine dieses Beispiel zeigt, wie undurchdacht das Google-Konzept bezüglich der Hangouts mit Unternehmen ist.

Direct Connect – Der potenzielle Facebook-Schreck

Einziges Feature für Goggle+ Unternehmensprofile, das möglicherweise ein Plus für das Google Netzwerk bedeuten könnte, ist die Auflistung der Profile über Googles Suchanfragen und speziell über Direct Connect. Einerseits werden die Google+ Profile der Unternehmen und Marken bei den Search Results mitangezeigt. Andererseits können diese gezielt via Google Suchanfrage per vorangestelltem „+“ gefunden und mit dem eigenen Google+ Profil direkt verbunden werden – eben Direct Connect. Aktuell soll diese vereinfachte Suche für eine begrenzte Zahl der Unternehmensprofile verfügbar sein, darunter +Toyota, +Google, +Pepsi, allerdings noch nicht für deutsche Googlenutzer. Für weitere Prognosen müssen wir uns also noch etwas gedulden.
Google spielt die Monopolstellung am Suchmaschinenmarkt hier doch noch geschickt aus und bindet die Google+ Profile ähnlich Google Places in die Suchergebnisse ein. Wenn diese prominent vor Facebook in den SERPs gelistet werden, liegt hier ein mögliches Ass im Google-Ärmel.

Dabei sein ist nicht alles

Sekündlich werden neue Unternehmensprofile angelegt. Pepsi, FC Barcelona, Toyota und H&M gehörten zu den Ersten.
Ein neues Profil macht aber nur Sinn, wenn damit Ziele verfolgt und erreicht werden können, wie Kommunikation mit der Zielgruppe. An Mitgliedern mangelt es Google+ mittlerweile zwar nicht mehr. Allerdings bedeutet ein neues Profil auf einer anderen Plattform mehr Arbeit und vor allem ein durchdachtes Social Media Konzept für alle bedienten Kanäle. Es macht wenig Sinn auf Facebook eine Meldung über einen neuen Blogbeitrag zu posten, diesen auch per Twitter zu verbreiten und über Google+ die gleiche Information wiederzukäuen. Nutzer werden von ständigen Wiederholungen gelangweilt und wenden sich ab. Jeder neu zu fütternde Account auf jegwelcher Plattform sollte deshalb etwas Innovatives innehaben, das einen Mehrwert für den Nutzer verspricht.

Time auf Google+

Time auf Google+

Ein gutes Beispiel für eine sinnvolle Nutzung des Google+ Profils liefert die TIME. Die Follower werden nicht mit wiederholtem Inhalt ennuyiert, sondern es wird ein virtueller Raum für den direkten Austausch mit der Leserschaft geschaffen.

Die Follower erhalten über Google+ einen Kanal, um Verbesserungsvorschläge, Kritik und Anregungen zu veröffentlichen und über veröffentlichte Themen diskutieren zu können. Die Idee an dieser Art der Kommunikation ist zwar nicht neu und erinnert an den guten alten Leserbrief und Verbraucherforen, subjektiv bewertet ist sie aber keine schlechte, um das Google+ Unternehmensprofil sinnvoll in ein Social Media Konzept zu integrieren.

Ob Google aus Zeitgründen mit diesem sonst mageren Versuch Unternehmensseiten zu involvieren an die Öffentlichkeit ging, sei dahin gestellt. Zumindest klingt der Schlusssatz des Google+ Pages Blogbeitrags latent nach Entschuldigung. Hier räumt Vic Gundotra ein: „we’ve still got lots of improvements planned, and miles to go before we sleep“.

Über Marcus Schoeberichts

Marcus ist Inhaber der Agentur schoebs & friends und bloggt hier im Journal über diverse Themen im Bereich Online Marketing. Marcus bei Google+
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2 Antworten auf Google+ (Fan-)Seiten – connect with all the things you (don’t) care about

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