Facebook aus Sicht der Teenies – Die Schallplatte unter den Netzwerken

Sollte das größte soziale Netzwerk wirklich bald im wahrsten Sinne veraltet sein? Dieser Meinung ist eine 13-Jährige New Yorkerin, die Facebook zwar interessant, aber für ihre Altersgruppe nutzlos findet. Es hätte viele tolle Features, die junge Leute aber gar nicht wollen, eine große Community, deren Öffentlichkeit Teenies, die Verbotenes tun, zu schnell auffliegen lassen würde, einen Freundeskreis, der eher einem Familienstammbaum ähnelt. Bis sie 13 Jahre alt war, brannte sie darauf einen eigenen Account zu eröffnen, aber das wird durch die Richtlinien untersagt. Als sie endlich Teil der Community werden durfte, verpuffte der Reiz des Netzwerks. Die bittere Erkenntnis: die Community macht ohne Freunde, mit denen man sich austauschen möchte, keinen Spaß.

Facebook ist für den Nachwuchs unattraktiv

Die Person, die Du vielleicht kennen könntest, ist dein Vater. Deine Tante, die du schon Ewigkeiten nicht gesehen hast, kommentiert deine Partyfotos. Irgendwie fühlt sich das für ein hippes Netzwerk nicht richtig an. Vor allem (sehr) junge Leute möchten Netzwerke nutzen, um sich mit Freunden auszutauschen, ohne dabei von Eltern und Verwandten observiert zu werden. Ein niedlicher Post von Mami auf der eigenen Chronik ist dann einfach zu viel des Guten. Verständlich, dass der Nachwuchs das größte Netzwerk weltweit nicht für sich gewinnen kann. Im Teenie-Alter reizt Verbotenes, ohne das Wissen der Eltern. Als 13-Jährige auf eine Party zu gehen, wo es Alkohol gibt, ohne mitzutrinken – natürlich, das machen schließlich nur die anderen. Nur logisch, dass man sich dabei nicht erwischen lassen möchte. Zu gefährlich, dass bei Facebook im Nachhinein doch noch verräterische Fotos auftauchen oder Freunde so naiv sind und etwas von der abgefahrenen Party gestern an die Pinnwand posten, wo man doch offiziell nur bei der Freundin eine Pyjama-Party feiern war.

Auch wenn Teenies heute Barbies gegen Smartphones und Jojos gegen Tabletts tauschen, im Grunde sind die Prinzipien die gleichen geblieben. Die Eltern sind uncool, Verbote sind da, um sie zu brechen und was sich gehört, wird verweigert. Besser, man lässt sich dabei nicht erwischen. Facebook ist dafür schlichtweg die falsche Plattform. Es sind kurzlebige, simple Dienste wie Instagramm, Twitter, Snapchat oder Vine, die Teenies interessieren. Facebook ist zu umfangreich, zu groß, zu kompliziert und undurchsichtig, was Richtlinien und Kriterien zur Veröffentlichung der eigenen Posts betrifft. Teenies wollen das alles gar nicht.

Stirbt deshalb Facebook als Dinosaurier unter den Netzwerken bald aus? Sicher nicht. Die Berichte bestätigen einen weiteren Zuwachs der aktiven User von 21 % im Vergleich zum letzten Quartal. Mit 1,15 Milliarden aktiven Nutzern pro Monat scheint Facebook bei Weitem noch nicht gefährdet.

Sind 13-Jährige überhaupt Zielgruppe von Facebook?

Der Zugang zu Facebook ist ab 13-Jahren möglich. Was will ein 12-Jähriges Kind auch bitte bei einem öffentlichen Netzwerk? Auch mit 13 Jahren sind die User schlichtweg zu jung, um verantwortungsvoll und gewissenhaft mit den eigenen Daten umzugehen. Zu jungen Usern fehlen das Gespür und das Wissen, was mit Informationen über sie passiert, wenn sie erst einmal im World Wide Web gelandet sind. Zu naiv gehen junge User damit um und Facebook merkt sich gnadenlos jedes Detail, ob öffentlich als Post oder im privaten Chat. Jedes noch so unangenehme Foto, jeder Kommentar, der einem bitter aufstößt. Wer kann schon behaupten, dass er keine Jugendsünde für sich zu verbuchen hat? Und diese öffentlich für alle Zeiten im Netz bei Facebook gespeichert zu haben und möglicherweise mal bei einem Vorstellungsgespräch zu rechtfertigen – keine schöne Vorstellung. Aber die jungen User machen sich wenig Gedanken darüber. Es geht um die Kommunikation mit den Freunden, die sich von der privaten face-to-face-Kommunikation im Freundeskreis in öffentliche Netzwerke verlagert. Die Faszination über die Dienste und die Möglichkeit sich selbst darzustellen, wie man sich gerne sehen möchte, ist Möglichkeit und Gefahr zugleich für die Teenies.

Wenn Marc Zuckerberg über ‚Teens’ spricht, dann ist die Altersgruppe von 13-19 Jahren gemeint. Die Lebenserfahrung und den Verstand den ein 13-Jähriger Mensch mitbringt reicht möglicherweise aber noch nicht aus, um sich auf Facebook öffentlich zu präsentieren. Sie sind schlichtweg zu jung, um Facebook für sich sinnvoll nutzen zu können. Dies gilt im Übrigen analog für alle anderen Plattformen und Dienste: Das Internet vergisst nichts.

Die Zeit – Das Schicksal von Trends

Der Artikel von Ruby Karp, der 13-Jährigen New Yorkerin, hat viele wahre Aspekte. Er ist interessant und für eine 13-jährige durchaus reflektiert und klug verfasst. Aber es bleibt nicht zu vergessen die Meinung eines sehr jungen Menschen, die sich in dieser Phase der Entwicklung, binnen sehr kurzer Zeitspannen schlagartig wieder ändern kann. Möglicherweise denken 14-Jährige Teenies wieder völlig anders. Ab der Volljährigkeit macht die Anwesenheit der Eltern im Netzwerk vielleicht sogar keinen Unterschied mehr. Andererseits könnte auch Facebook das Schicksal vieler hipper Trends ereilen, die wir zu seiner Zeit richtig toll fanden, aber nach und nach durch Neues abgelöst wurden. Wer erinnert sich noch an die gute alte Kassette, ohne die wir uns ein Leben nicht mehr vorstellen konnten? Damals das Non-Plus-Ultra, heute kennt sie kaum ein Teenie. Jeder Trend wird früher oder später ersetzt, es ist nur eine Frage der Zeit.

Über Marcus Schoeberichts

Marcus ist Inhaber der Agentur schoebs & friends und bloggt hier im Journal über diverse Themen im Bereich Online Marketing. Marcus bei Google+
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