Inspiration? Ah!a, so geht das

Unter Inspiration verstehen wir ein Schlüsselerlebnis für eine neue Idee. Man zermatert sich stundenlang den Kopf und auf einmal spürt man genau: Das ist es! Der grandiose Geistesblitz auf den man so lange gewartet hat. Ausgelöst durch einen kleinen Denkanstoß, ein Ereignis, eine Person – meistens zumindest. In so einen Einfall steckt man Zeit, Herzblut, Bemühungen finanzieller und intellektueller Art, um am Schluss zufrieden auf sein früchtetragendes Projekt blicken zu können. Man hat es geschafft, aus eigenen Stücken etwas Erfolgreiches auf die Beine zu stellen. Man kann wirklich Stolz auf sich und seine Arbeit sein.

Dass der Begriff Inspiration dehnbar und Stolz oft überbewertet ist, beweist ein aktuelles Beispiel. Sehen wir uns dazu dieses Bild an, bei dem ich zwei Webseiten gegenüber stelle:

Oh!Saft vs. Ah!Saft

Offensichtlich hat sich da jemand vom MyMüsli-Tochterprojekt Oh!-Saft á la Guttenberg inspirieren lassen und ein eigenes Apfel-Projekt daraus gefertigt. Ah!-Saft sieht dem Oh!riginal nämlich zum Verwechseln ähnlich, steht allerdings in keinerlei Verbindung dazu.
Laut eigener Aussage kam das Projekt folgendermaßen zu Stande:

„Die Idee zu diesem Projekt entstand bei einer abendlichen Marktrecherche und der Entdeckung einer für uns inspirierenden Seite.“ (Zitat des AH!-Teams)

Welche Seite da wohl gemeint ist? Eine wahre Meisterleistung des kreativen Kernteams, das daraufhin auf Hochtouren an der Realisierung ihres Projekts arbeitete, wie der zugehörige Blog verrät. Da heißt es ähnlich amüsant weiter: „Benni feilt noch an kleinen Layoutänderungen“. Viel gibt es für Benni nämlich nicht zu tun, existiert ja bereits eine ganz passable Vorlage für ihr Apfel-Projekt. Man ändere im Original-Layout lediglich die Farbe orange zu rot, die Buchstaben im Logo und tausche die Orangen durch Äpfel – fertig ist das Pl-Ah!-giatsprojekt. Wichtig auch: Die Angaben im Impressum ändern, würde die Inspiration sonst zu schnell auffliegen.

Na was denn nun?

Natürlich kann man jetzt so tun, als ob man sich großartig bemüht hätte, dieses durchdachte Konzept erarbeitet und umgesetzt zu haben. Man kann es zumindest einmal Versuchen, wie uns jüngste Vorfälle um Plagiatsversuche zeigen. Denn anscheinend ist es nicht mehr so wichtig, dass die Idee dem eigenen Denken entsprungen ist. Auf eine überzeugende Vermarktung kommt es an. Hier gilt: Dreistigkeit siegt.
Das äußerst kreative Team der Seite übernimmt nicht nur 1:1 die Idee und das Layout der Seite, sie machen nicht einmal einen Hehl daraus, woher „ihre“ Idee stammt und sprechen von Inspiration einer abendlichen Recherche. Kreativ sind hier allerhöchstens die Formulierungen, wie ein derart dreister Kopieversuch euphemistisch dargestellt werden könnte.

Die Grenze zwischen Inspiration und dreistem Ideenklau scheint eine Gratwanderung zu sein und schwindet mit fortschreitender Entwicklung von Schamlosigkeit. Dies kommt ja bekanntlich in den besten Familien vor.

Dass das Klon-Projekt mit dem Oh!riginal in Konkurrenz treten kann, darf bezweifelt werden. Ob diese Seite jemals nur einen Apfel verkaufen wird, scheint nämlich eher fraglich. Viel wahrscheinlicher ist, dass sich hinter dem Ah! Projekt eine reine PR-Strategie der Agentur verbirgt, die dadurch Aufmerksamkeit generieren will. Denn im Gegensatz zu Informationen zu ihrem Produkt, ist das Ah!-Team im Bezug auf Informationen zu den Personen dahinter viel auskunftsfreudiger. Weder im Blog, noch auf anderen Unterseiten ist jemals von Sorte und Herkunft des Obstes oder der Art, wie die Kunden den Saft aus den Äpfel zu pressen vermögen die Rede.
So ist das Ah!-Projekt meiner Meinung nach nur eine miese Masche, um als vermeintliche Konkurrenz am Markt Aufsehen zu erregen und die Aufmerksamkeit der PR-Agentur zu steigern.

Deren Unternehmensleitbild lautet übrigens wie folgt:
„Wir gehen in Ihren Köpfen spazieren, verstehen Ihre Ziele und leben die Werte Ihrer Marke.“

Sehr passend.

Wie schnell sich das Projektdouble also zu Dörrobst entwickelt, bleibt gespannt abzuwarten.

Über Marcus Schoeberichts

Marcus ist Inhaber der Agentur schoebs & friends und bloggt hier im Journal über diverse Themen im Bereich Online Marketing. Marcus bei Google+
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2 Antworten auf Inspiration? Ah!a, so geht das

  1. Der Stefan sagt:

    Das ist ja mal wirklich dreist. Aber sich mit der Zurschaustellung mangelnder Kreativität als Agentur in die Öffentlichkeit zu stellen, ist hoffentlich ein wenig erfolgreiches Rezept und findet keine Nachahmer.

    Zum Unternehmensleitbild:
    “… in den Köpfen spazieren …” – na ja, eher im Code der bestehenden Site.
    “… verstehen ihre Ziele …” – hmm, wenn der Rest der Welt aber rätseln muss, ist das wohl nicht so toll.
    “… leben die Werte ihrer Marke.” – und scheren uns um fremde Marken einen Dreck.
    Danke für dieses Unternehmen!

  2. Pingback: SEO-Agentur kopiert Website |  schoebs & friends

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