Facebook vs. Guttenplag Wiki – Social Media an der Front

Der gestrige Rücktritt von Karl-Theodor zu Guttenberg steckt ihnen noch in den Knochen und trotzdem kämpfen die Truppen nun im Internet für ihren Minister weiter. Der Skandal um den Rücktritt des Ex-Verteidigungsministers spaltet die Nation, und das Web dient ihr als Schlachtfeld. Die „Causa Guttenberg“ polarisiert die Social Media Plattformen, über die sich Anhänger und Gegner derzeit hitzige Wortgefechte liefern.

Nicht die Politiker, nicht die Wissenschaftler und auch nicht die regulären Medien stürzten den Promi-Polit – Nein, Social Media war’s.
Ein Wiki namens „Guttenplag“ brachte den sonst so beliebten Politiker zu Fall, so die Social-Media-Expertin Christiane Schulzki- Haddouti gegenüber dpa. „Guttenplag“ hatte es sich nach Aufkeimen der Plagiatsvorwürfe zum Ziel gesetzt, die Dubletten und damit den Betrug Guttenbergs bei seiner Doktorarbeit aufzuspüren – mit Erfolg. Während zu Guttenberg in der realen Welt noch Rückendeckung von Angela Merkel erhielt, fuhr die virtuelle Welt harte Geschütze auf. Zahlreiche User arbeiteten kollaborativ an der Zerpflückung der Dissertation in ihre Kleinstteile mit und enthüllten die verheerenden Fakten, die den Minister das Amt kosteten.
Aktuell zählt die Seite über 890 Plagiatsfragmente auf 324 der 393 Seiten der Arbeit (Stand: 01.03.2011) auf. Das sind insgesamt über 82 % der Seiten der kompletten Dissertation. Ein Skandal ohne Gleichen, der bei der User-Community auf Empörung stößt. Zahlreiche Anti-Guttenberggruppen schlossen sich auf Plattformen wie Facebook zusammen und auch via Twitter formierten sich Gegnergruppen des Ex-Ministers.

In Blogs, Foren und Plattformen ist die Plagiatsaffäre zu Guttenbergs bereits seit zwei Wochen das Top-Thema und wird es wohl noch einige Zeit bleiben. Der Rücktritt des beliebten zu Guttenbergs, durch die User des Guttenplag Wikis schürte das Feuer, das zwischen Pro- als auch Anti-Guttenberg-Bewegungen ohnehin schon entfacht war.

Pro Guttenberg Gruppe bei Facebook

Pro Guttenberg Gruppe bei Facebook

Wir wollen Guttenberg zurück“ nennt sich die momentan stärkste „Guttenberg“-Anhängergruppe der Plattform Facebook.
Aktuell zählt sie 390 583 Mitglieder (02.03.2011 17:18), und im Schnitt werden es pro Stunde etwa 1000 Anhänger mehr. Sie protestiert gegen den Rücktritt des ehemaligen Ministers und fordert Deutschlands „Hoffnungsträger“ und „Minister der Herzen“ wieder zurück.
Im Sekundentakt kommentieren die Mitglieder die Pinnwand der Gruppe und machen ihrem Ärger Luft. Rege werden Kommentare mit dem „Gefällt mir“-Button bekräftigt – und das über zu 11.000 Mal!

Darüber hinaus ruft eine weitere Gruppe nun kommenden Samstag, den 05.03.2011 zu Demonstrationen in über 20 verschiedenen Städten auf, bei denen Anhänger deutschlandweit gleichzeitig für zu Guttenberg protestieren werden.

Oraganisierte Demonstrationen für KTZG

Oraganisierte Demonstrationen für KTZG

Aber auch die Gegner des Ministers formierten sich zu Interessensgruppen auf den Plattformen. „Wir wollen Guttenberg nicht zurückEinige wollen Guttenberg nicht zurück ist nur eine davon. Hier wird der ehemalige Politiker in Pinnwandkommentaren als „Dr. Strg. C. Guttenberg“ und „Herr Selbstverteidigungsminister“ verhöhnt und mit „Gutt bye“ jubelnd verabschiedet. Im Vergleich kommt die Gruppe zwar nur auf 9.228 (Stand: 02.03.2010, 17:20), erfreut sich bislang aber ebenfalls regem Zuwachs.

Eine vergleichbare Situation hat es bislang nicht gegeben. Ein Politiker, der für so viel Aufsehen sorgt und dessen Anhänger und Gegner sich per Internet eine solche Schlacht bieten, zeigt wie wichtig Social Media für Gesellschaft und Politik heute eingestuft werden muss.
Selbst nach außen schlägt der Aufruhr der User hohe Wellen. Dies zeigen die Berichterstattungen diverser großer Medienhäuser: die Welt, der Stern, der Spiegel, die Süddeutsche Zeitung, FOCUS Online und viele mehr.

Auch bei den Suchanfragen via Google birgt das politische Debakel des Ex-Verteidigungsministers höchstes Interesse.

Obama vs. Guttenberg

Obama vs. Guttenberg

Die Grafik zeigt, dass das Keyword „Guttenberg“ erst binnen der letzten zwei Wochen einen enormen Interessenszuwachs im Internet verzeichnete, der mittlerweile sogar mit dem US-Präsidenten „Obama“ zu vergleichen ist. Am 23.Februar 2011 überstieg die Suchanfrage nach dem Namen des Ex-Verteidigungsministers die, nach dem des amerikanischen Präsidenten weltweit. Global hatte sich der Skandal um zu Gutenberg ab dem 15.Februar zu einem der populärsten Onlinethemen überhaupt etabliert.

Beachtlich ist auch, dass sich der Focus des Suchvolumens dabei fast allein auf Deutschland und nur wenige andere Länder, wie Österreich, Schweiz und Israel beschränkt. Im globalen Vergleich erzielen also alleine die Suchanfragen dieser Länder eine extreme Gewichtung.

Das Keyword „zu Guttenberg“ wird als Erstplatzierung in den Top-Suchbegriffen direkt gefolgt von den Begriffen „plagiat guttenberg“ und „plagiat“.

Eine direkte Verbindung der Begriffe ist nicht mehr zu verleugnen, denn auch „guttenplag“ und „guttenplag wiki“ befinden sich im Ansturm auf die Topplätze in Sachen Suchanfragen.

Es bleibt gespannt abzuwarten wie sich die „Causa Guttenberg“ weiter entwickelt. User beider Seiten nehmen aktiv und aggressiv an den Diskussionen teil, tun ihrer Meinung Kund und fordern, dass ihren Stimmen Gehör geschenkt wird. Ob die Social Media User so zu Guttenberg zurückholen können, wie sie ihn zu Fall gebracht haben, darf angezweifelt werden. Deutlich zeigt sich hier allerdings, welche Tragweite Online Communities zugeschrieben werden muss und dass die Dynamik der Online-Kommunikation nicht zu unterschätzen ist.

Über Marcus Schoeberichts

Marcus ist Inhaber der Agentur schoebs & friends und bloggt hier im Journal über diverse Themen im Bereich Online Marketing. Marcus bei Google+
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5 Antworten auf Facebook vs. Guttenplag Wiki – Social Media an der Front

  1. Fred Meier sagt:

    Ich finde die Entwicklung zum Teil wirklich gefährlich. Der Pöbel (ich bin jetzt mal so fies) ist nicht stets gut informiert, hat auch nicht immer den Willen sich zu informieren aber jeder hat offensichtlich eine Meinung die er heute einfacher als je zuvor an unglaublich viele Menschen weiterleiten kann. Wenn aber ungebildete Politik betreiben kann es übel werden, denn so werden sie nur zu einer dumpfen Waffe anderer Gewalten.
    Prinzipiell ist es toll wenn sich so viele Menschen um Politik kümmern aber die Politik hat gerade in den letzten Jahren viel dafür getan die Menschen doof zu halten.

  2. newcomer sagt:

    etwas spät um auf den Zug aufzuspringen ;)

    Die Entwicklung in dem Fall dürfte klar sein. Wenige Jahre und wir haben Ihn als Ministerpräsident.

    greets newcomer

    • Es ging bei dem Artikel nicht darum, auf einen Zug auspringen zu wollen; der Fokus lag auf der Betrachtung und Entwicklung von Suchanfragen und Facebook-Fans. Ist ja schließlich auch kein Politblog hier ;)
      Bild.de hat übrigens einen ganzen Tag länger Zeit benötigt, um den Leuten die Sache mit Facebook zu “erklären”…

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