Die Zukunft der Suche im Internet – Wollen wir eine All-in-One-App-Suchmachine?

In einem techcrunch.com Gastartikel von 28. Oktober 2012 mit dem Titel „The Future of search may look more like Yahoo than Google“ macht sich Adrian Aoun Gedanken über die zukünftige Entwicklung der Online-Suche. Yahoo spielt in seinen Ausführungen eine zentrale Rolle und biete laut Aoun schon seit über zehn Jahren das, worauf es letztlich bei der Fülle an Apps und Suchmöglichkeiten zukünftig wieder hinauslaufen würde: eine optimale All-in-one Kombination aus Suchmaschine und integrierten Apps in einem News-Portal, die eierlegende Wollmilchsau der Suche.

Ein interessanter Gedanke, dass dies Yahoo sei, wenn man bedenkt, dass Yahoo beispielsweise im Ranking der deutschen Marktanteile von Suchmaschinen mit 3,9 % auf den vierten Platz verdrängt wurde und einiges aufholen müsste, um Google als Suchmaschine ernsthaft Konkurrenz zu machen – die Differenz liegt bei über 76 %. Wie also kommt Adrian Aoun zu seinem Schluss?

In einer Fülle an verschiedenen Apps, die sich auf die Informationsbeschaffung in spezialisiertem Kontext konzentrieren, wie das Aufspüren von Restaurants in einem bestimmten Umkreis, den Wetterbericht, die neusten Nachrichten oder Shopping Angebote, sehnt sich Aoun zurück zur Einfachheit der Anwendungen in den 90er Jahren. Yahoo gab damals als News-Portal, E-Mail-Dienst, Suchmaschine und mehr den Ton vor und erfüllte alle Bedürfnisse auf einer Seite. Heute stellt schon die Entscheidung der richtigen App zur eigentlichen Frage und anschließend deren Handhabung vor komplexe Aufgaben, die man den Nutzern kaum zumuten könne. Jede App einzeln downloaden, sich registrieren und dann das Programm personalisieren, bis dieses die eigenen Vorlieben kennt, sieht Aoun als untragbare Hürde für die Nutzer. Traut er Ihnen das etwa nicht zu?

„In this world, the AppStore is the new Google“

Diese Aussage ist nur metaphorisch vertretbar, betrachtet man sie im historischen Kontext. Als das Online-Angebot Anfang des 21.Jahrhunderts zu groß wurde, etablierte sich Google & Co., um dem Problem Herr zu werden. Nun haben wir analog dazu die Applikationen, die wie Pilze aus dem Boden schießen. Wir benötigen also eine zentrale Stelle, über die wir wieder die Übersicht erlangen. Sei es der AppStore oder der Google Play Store, die Aussage macht nun mehr Sinn – in jedem Fall hat Google wieder die Finger im Spiel. Aber ein Ersatz für eine Suchmaschine wie Google, die sich soweit entwickelt hat, dass sie Semantik erkennt, Schreibfehler für uns ausbessert und uns das Kinoprogramm liefert, wenn wir nach einem Film suchen, können diese Umschlagplätze für Applikationen nicht sein. Ganz zu schweigen davon, warum Aoun Apps damit in Verbindung bringt, Google den Thron streitig zu machen. Entweder wir suchen eine Information oder eine App. Eine konkurrierende Verbindung dazu scheint weit hergeholt, insbesondere auch weil Google beides bietet.

Google bleibt on top – Ya(w)hoo cares

Entgegen Aouns Meinung ist Google sicher kein Unternehmen, dass sich auf seinem Erfolg ausruht. Die kontinuierlichen Veränderungen der integrierten Angebote zeigen mehr als deutlich in welchem hohen Maße sich die Suchmaschine weiterentwickelt und dies auch vehement anstrebt. Die Kritik, die Nutzeroberfläche hätte sich seit Jahren nicht verändert, ist eher ein Lob. „Zeitlos“ scheint hier das richtige Wort zu sein, während Yahoo auf den ersten Blick eher als News-Portal auftritt, ganz zu schweigen von den Suchergebnissen, die geliefert werden. Die Suche nach einem italienischen Restaurant liefert vom Standort Passau Lokale aus Berlin und München. Und während der Nutzer jetzt erst eine Applikation starten müsste, die ihm für den eigenen Standort geeignet informiert, erkennt Google bereits bei der Frage, dass lediglich Restaurants in einem angemessenen Umkreis zum Suchenden Sinn machen. Dieser Punkt geht eindeutig an Google.

Der große Vorteil Yahoos liegt für Aoun augenscheinlich darin, von allem ein bisschen etwas zu liefern – aber eigentlich auch nichts richtig ordentlich. Während sich Google vorerst auf ausgetüftelte Algorithmen für bestmögliche Suchergebnisse konzentriert und nebenbei verschiedene Features bietet, konnte Yahoo mit seiner All-in-one-Seitenstrategie nicht überzeugen – was sich nicht zuletzt auch am Marktanteil ablesen lässt. Erwartungsgemäß schwierig wird es Yahoo haben, sich erneut aufzubäumen, um die Zukunft der Suche im Internet zu dominieren. Google kann es sich diesbezüglich durchaus leisten, sich lieber um Konkurrenten wie Facebook zu kümmern. Dies allerdings sicherlich nicht bezüglich der Suchfunktion, damit kann der blaue Internetriese nach wie vor nicht punkten.

Die Zukunft der Online Suche?

Was die Nutzer nun in Zukunft tatsächlich von der Online Suche erwarten bleibt spekulativ. Aber unwahrscheinlich ist, dass es „back to the roots“ gehen wird. Zurück zu einfachen Lösungen auf einer einzigen Seite wie Yahoo, das ist weit hergeholt. Vielmehr wird es eine Kombination sein, hier liegt Aoun sehr richtig. Aber es scheint eher eine personalisierte Kombination aus vielen Einzelkomponenten zu werden, als ein Online-Portal, das alles bietet. Die Suche von Suchmaschinen wird durch verschiedene Apps unterstützt, die sich der Nutzer selbst zusammenstellt. Dabei spielen Apps vor allem für mobile Endgeräte eine Rolle, weniger für den Computer zu Hause. Hier gilt es zu differenzieren. Im weiteren Sinne wird die genutzte Hardware zum persönlichen Assistenten, zur personalisierten Suchmaschine, die für jede Art der Suche passende Software bereithalten. Die Schlacht um die Online Suche im engeren Sinne scheint schon geschlagen. In Zukunft wird sich die Frage der Suche darauf beziehen, mit welchem Device wir suchen. Da wären wir aber wieder bei der Konkurrenzsituation der diesbezüglich eigentlichen großen Player: Google und Apple!

Über Marcus Schoeberichts

Marcus ist Inhaber der Agentur schoebs & friends und bloggt hier im Journal über diverse Themen im Bereich Online Marketing. Marcus bei Google+
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